Themen: Sozialismus

„Wie wir uns betrügen — Wohlfahrtsverwahrlosung“ (Teil 1)

Die Wohlfahrt westlicher Staaten scheint groß. Dennoch klagen viele. Sie fühlen sich betrogen. Das werden sie auch, aber anders, als sie denken. Eine neue Serie zum Thema.

Der Wohlfahrtsstaat ist ein Illusionsgebäude. Die Verfäl­schung der Begriffe — und somit auch des Denkens — ist zugleich Bedingung und Folge seines Wachstums. Das be­ginnt beim falschen Etikett „Solidarität“. Diese kann nur als freiwillige, individuelle Entscheidung ausgeübt werden. „Erzwungene“ oder „kollektive Solidarität“ ist ein Widerspruch in sich. Statt der angeblichen „Solidargemeinschaft“ erzeugt der Wohlfahrtsstaat rivalisierende Interessengrup­pen im Kampf um staatliche Zuwendungen und Privilegien.

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Du sollst produktiv sein!

Über die christlichen Wurzeln der Marktwirtschaft

In seiner „Ethik“ schreibt der katholische Theologe Romano Guardini, dass ausgerechnet Nietzsche konstatiert habe, der moderne Mensch wisse gar nicht, wie sehr er vom Erbe des Christentums zehre. „Alle unsere sittlichen Begriffe“, so Guardini, „alle sie begründenden Werte, alle unser Dasein tragenden individuellen wie sozialen Handlungen stehen ja doch im Erbgang des Christentums. Die Axiome der Unantastbarkeit der Person, … der Freiheit und Ehre jedes Menschen, … der grundsätzlichen Gleichberechtigung jenseits von Privileg und Begabung … die Wahrheit des Wortes und die Verlässlichkeit des Vertrages — das und vieles sonst enthält … die Wirkungen von vielen Jahrhunderten christlicher Gewissensbildung und Menschenformung.“ Guardini trifft hier einen wichtigen Punkt. Es ist plausibel, dass die Ideen der Unantastbarkeit der Freiheit, des Lebens, Denkens, Glaubens und des Eigentums einen religiösen Ursprung haben und erst später von liberalen Denkern aufgenommen und säkularisiert wurden.

Etwas plakativer formuliert kann man drei elementare Bedingungen einer freien Gesellschaft und somit auch deren wirtschaftlicher Verfassung — der Marktwirtschaft — benennen, die allesamt zugleich im biblischen Dekalog ihre Manifestation gefunden haben: 1. Unantastbarkeit des Eigentums („Du sollst nicht stehlen“ und „Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut“), 2. Ehrlichkeit, und somit Verlässlichkeit des Vertrages („Du sollst kein falsches Zeugnis geben…“), und 3. die hohe Wertschätzung der Familie („Du sollst Vater und Mutter ehren…“). Im Jargon der modernen Soziologie könnte man von der Familie als der unerlässlichen Einübungsinstitution für die kulturelle Sozialisation einer jeden Person reden.

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Eurokritiker Baader: Deutschland wird zum Armenhaus

Wie sagte der französische Ökonom Frédéric Bastiat? Ökonomie ist die Lehre von dem, was man nicht sieht. Man sieht eben kaum, wie Europas Einheitszins die PIIGS-Staaten – Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien – in Blasenökonomien verwandelt hat. Wie die Einheitswährung dazu führt, dass Deutschland die Ersparnisse seiner Bürger über Leistungsbilanzüberschüsse an die Luderstaaten verschenkt, und wie der kreditfinanzierte Scheinreichtum im Bankrott münden wird. Erst bei den PIIGS, dann bei uns.

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„Willkür und Verantwortung“


Begriffsklärung IV: „Gerechtigkeit“

Von Aristoteles stammt die Idee der iustitia commutativa, dass also der Kern der Gerechtigkeit sei, Gleiches gleich zu belohnen oder gleich zu bestrafen. Für die anonyme arbeitsteilige Großgesellschaft kann das nur in die Norm übersetzt werden „Gleiches Recht für alle und gleiche Spielregeln für alle“. Friedrich August von Hayek hat das in die prägnanten Sätze gegossen: „Es gibt für mich nur eine Gerechtigkeit, das ist die Gleichheit vor dem Gesetz. Jede Abweichung davon, selbst mit besten Absichten, öffnet der Willkür alle Türen, zerstört die Freiheit und damit den höchsten Wert, weil sie Voraussetzung für alle anderen Werte ist.“

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